Hackintosh Projekt – mehr Mac für weniger Geld

Sind wir uns doch einmal ehrlich: macOS ist ein fantastisches Betriebssystem. Es ist simpel, logisch und hat ein schönes UI. Der größte Nachteil: es läuft nur auf Apple-Hardware – naja, nicht NUR!

Das Thema „Hackintosh“ hatte ich 2010 zu ersten Mal aufgeschnappt. Ein Hackintosh ist im Grunde ein PC mit Intel Hardware, auf dem man macOS zum Laufen bringen kann – kompatible Hardware vorausgesetzt. Damals, 2010, war das alles noch ein etwas mühsames Unterfangen. Ich hatte damals 2 Hackintosh PCs gebaut, jedoch gab es immer wieder Probleme und Bugs, die ich nicht beseitigen bzw. lösen konnte. Kompatible Hardware war dünn gesät. Als primäres Arbeitsrechner war der Hackintosh damals nicht zu gebrauchen und so wurde das Projekt ad acta gelegt.

Als Nutzer rechenintensiver Apps bin ich irgendwann an dem Punkt angelangt, bei dem die Rechenleistung meiner aktuellen Apple-Hardware nicht mehr mithalten konnte. Natürlich habe ich mit potenteren Macs geliebäugelt, jedoch bietet Apple mittlerweile nur mehr geschlossene Systeme zu übertriebenen Preisen an. Upgradeability? LOL! Mein Mid-2012 Macbook Pro konnte ich zwar noch mit mehr RAM und einer weiteren HDD im Optibay upgraden, jedoch hat man diese Möglichkeit bei aktuellen Macbooks nicht mehr. Entweder man bezahlt eine ordentliche Summe Geld und bekommt die nötige Hardware oder man muss sich mit dem zufrieden geben, was man sich leisten kann. „Zufrieden geben“ … nicht gerade eine meiner größten Stärken.

Auf der Suche nach neuer Apple-Hardware bin ich Mitte 2016 wieder auf das Thema Hackintosh aufmerksam geworden. Ich hatte zuvor einen neuen PC angeschafft, da das Macbook mit Fotobearbeitung, Videoschnitt etc. nicht mehr mithalten konnte. Der Speicherplatz neigte sich langsam dem Ende zu und ich wollte auf teure, Apple-kompatible externe Speicherlösungen oder HDD Upgrades verzichten. Nach einiger Recherche konnte ich feststellen, dass die Hardware meines PCs fast vollständig kompatibel mit der Hackintosh-Methode sei.

„Hackintosh-Methode“ ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Apple verwendet seit Anfang der 2000er Intel Prozessoren und Hardware so wie GPUs von Nvidia und AMD in seinen Macs, die sich nicht gravierend von handelsüblichen PC-Komponenten unterscheiden. Eine Community von Programmieren und IT-Spezialisten hat sich dann ans Werk gemacht und diverse Programme und Software entwickelt, um mit handelsüblicher, kompatibler Hardware einen Mac zu simulieren und macOS darauf zum Laufen zu bringen. Auch hat diese Community Lösungen für nicht vollständig unterstütze bzw. von Apple nicht verwendete Hardware entwickelt. Das war im Grunde jetzt die absolute Kurzfassung. Wer mehr über das Prinzip Hackintosh lesen möchte, der wird über eine kurze Suchanfrage auf Google mit ausreichend Info versorgt.

Als wichtigste Informationsquelle möchte ich an dieser Stelle Tonymacx86 nennen. Tonymacx86 bietet eine Unmenge an Infos zu kompatibler Hardware und Installationsmethoden. Das Forum ist reichlich gefüllt mit Fragen & Antworten, Build-Guides und Tutorials. Viele User stellen ihre eigenen Systeme vor und beschreiben ihren Installationsprozess. Die Community hinter Tonymacx86 entwickelt auch die nötigen Programme, welche die Installation von macOS auf der PC Hardware ermöglichen.

Verwendete Hardware

Mainboard: Gigabyte H81M-D2V rev. 1.0 (Bios F6) [AMAZON / EBAY]
Prozessor: Intel i7-4770 [AMAZON / EBAY]
Grafikkarte: Sapphire R9 280X 3GB (AMD) [AMAZON / EBAY]
RAM: Corsair Vengeance DDR3 1600 16GB (2x8GB) [AMAZON / EBAY]
Festplatte 1: WD Blue 1TB HDD [AMAZON / EBAY]
Festplatte 2: Apple 500GB Macbook HDD [AMAZON / EBAY]
SSD 1: Samsung EVO 850 500GB [AMAZON / EBAY]
SSD 2: OCZ Vertex 3 120GB (für Windows 10) [AMAZON / EBAY]
Netzteil: Thermaltake Berlin 630W [AMAZON / EBAY]
Gehäuse: Cooler Master K260 [AMAZON / EBAY]
DVD-Laufwerk: TSScorp DVD-ROM [AMAZON / EBAY]
USB Stick: SanDisk Ultra Flair 16GB USB 3 [AMAZON / EBAY]

Meine Hardware ist natürlich nicht mehr aktuell und es gibt mittlerweile bessere, ebenfalls unterstütze Hardware, die ich euch am Ende des Beitrages noch zeigen möchte.

Die Installation

Der Installationsprozess kann je nach Hardware leicht unterschiedlich sein. Die folgenden Schritte beschreiben die Installation mit der oben genannten Hardware. 

Zuerst muss ein USB Stick mit den für die Installation von macOS benötigen Programmen erstellt werden. Dazu bietet Tonymacx86 einen ausführlichen Guide an. Weiters benötigt man noch ein Programm namens „Multibeast“, mit dem später diverse Hardware-Treiber und Hilfsprogramme installiert werden. Den Download von Multibeast findet ihr in der Downloadsektion auf Tonymacx86. Mutltibeast kopiert man am besten gleich mit auf den zuvor erstellen USB Stick, damit man es gleich parat hat.

Anmerken möchte ich noch, dass ich „El Capitan“ installiert habe und nicht das neuere „Sierra“. Die Schritte sind aber bei beiden Versionen des Apple Betriebssystems die selben.

Link zum USB-Stick Guide: http://www.tonymacx86.com/threads/u…pitan-on-any-supported-intel-based-pc.172672/

Beim Erstellen des USB-Sticks mit Unibeast verwende ich „UEFI Boot Mode“, da mein Mainboard über ein solches BIOS verfügt. Grafikeinstellungen sind keine nötig.

Vor dem Start der Installation sollte man nicht benötigte Hardware ausstecken, um Probleme zu vermeiden. Sämtliche nicht benötigten Festplatten und Hardwarekomponenten werden später nach und nach wieder hinzugefügt, sobald das Betriebssystem läuft.

Die einzige Hardware, die ich während der Installation in Verwendung habe sind das Mainboard inkl. aller Lüfter, den RAM und die SSD Festplatte.

Bevor man aber in den USB-Stick booten kann, sind noch ein paar Einstellungen im BIOS nötig.

In meinem Bios habe ich folgende Einstellungen gemacht:

1. „Optimized Default“ geladen
2. ‚VT-d‘ deaktiviert
3. ‚OS Type‘ auf ‚other‘ eingestellt
4. ‚Extreme Memory Profile‘ auf ‚Profile 1‘ eingestellt
5. ‚XHCI Handoff‘ auf ‚Enabled‘ eingestellt (sollte eigentlich standardmäßig aktiviert sein)
6. ‚Initial Display Output‘ auf ‚IGFX‘ (Die Grafikkarte wird erst später eingebaut)
7. ‚Intel Processor Graphics‘ auf ‚Enabled‘ eingestellt
8. „IO Serial Ports“ deaktiviert

Hier die Screenshots meiner BIOS Einstellungen.

Nachdem die Einstellungen fertig gesetzt und gespeichert wurden, kann in den USB-Stick gebootet werden. Es erscheint der „Clover Bootloader“, bei dem wir „Boot Mac OS X from USB“ wählen, um zu Installtion zu gelangen. Nun folgt man einfach dem zuvor genannten Guide auf Tonymacx86, bis die Installation des macOS abgeschlossen ist.

Sollte die Installation nach einer Internetverbindung fragen, so wählt man einfach „Dieser Computer ist nicht mit dem Internet verbunden“. In iCloud kann man sich ebenfalls später einloggen (empfohlen).

Ist die Installation beendet und das Betriebssystem installiert, so sollte man auf keinen Fall den USB-Stick entfernen, da man diesen zum Booten benötigt. Erst nach der Installation von Multibeast wird dieser nicht mehr benötigt.

Nach der Installation startet der Computer neu. Bootet das System nicht direkt in den USB-Stick, so muss man diesen manuell als Boot-Drive auswählen. Danach erscheint wieder der Clover-Bootloader. Dieses mal wählt man aber „Boot OS X from Macintosh HD“ (genauer Wortlaut kann auch anders sein). Nun sollte der PC das frisch installierte OS X laden.

Läuft das Betriebssystem, so muss nun der Clover-Bootloader und ein paar weitere Treiber und Hilfsprogramme installiert werden. Dazu verwendet man nun die vorher heruntergeladene Software „Multibeast“.

Folgende Einstellungen werden für meine Hardware benötigt:

1. Quick Start: ‚UEFI Boot Mode‘ auswählen
2. Drivers:
– Audio: Realtec: Realtec ACL887/888b
– Network: Realtek: RealtekRTL8111 v.2.2.1
– USB: 3rd party USB 3.0
– USB: Support for 7/8/9 Series USB Support
3. Customize:
– System Definitions : iMac 14,2

Die restlichen Einstellungen wählt Multibeast selbstständig aus, da diese immer benötigt werden.

Hat man die Einstellungen gewählt, so klickt man auf den Tab „Build“ und unten auf „Install“. Nach der Installation kann man den USB-Stick entfernen und den Rechner neu starten. Der PC sollte nun den Clover-Bootloader beim Neustart anzeigen.

Nachdem das System wieder hochgefahren ist, müssen noch die Audioeinstellungen angepasst werden. Unter „Systemeinstellungen“ geht man in den Bereich „Ton“ und wählt die „Internen Lautsprecher“ aus. Nun funktioniert die Audioausgabe über die Buchsen am Mainboard.

Danach habe ich das Netzwerkkabel angeschlossen und die Netzwerkverbindung hat sofort funktioniert.

Nun fehlt nur noch die Grafikkarte. Dazu muss der PC wieder heruntergefahren und die Grafikkarte eingebaut werden. Danach sind weitere Einstellungen im BIOS nötig. „Initial Display Output“ stellt man von „IFGX“ auf „PCI 1“ um und setzt anschließend „Intel Processor Graphics“ auf „Disabled“. Nun speichert man die Einstellungen und startet den PC neu – die Grafikkarte läuft.

Damit das Betriebssystem die AMD Grafikkarte auch korrekt erkennt, muss man weitere Einstellungen am Clover-Bootloader vornehmen. Dazu benötigt man ein Programm namens „Clover Configurator“, welches ebenfalls über Tonymacx86 heruntergeladen werden kann.

Um Einstellungen am Bootloader vornehmen zu können, muss man die Partition, auf der sich die config.plist Datei befindet, mounten. Dazu klick man im Clover Configurator auf „Mount EFI“ und wählt das entsprechende Laufwerk aus. Danach Findet ihr im Finder das Laufwerk „EFI“. Darin befindet sich der Ordner „Clover“, in dem die config.plist liegt. Diese öffnet man nun mit dem Clover Configurator.

Im Menüpunkt „Graphics“ findet man die Einstellung „Inject ATI“, wie am Bild oben ersichtlich. Diese aktiviert man mit Klick auf das Kästchen. Das Betriebssystem erkennt die AMD R9 280X nun korrekt. Ohne diese Einstellung läuft die Grafikkarte zwar auch problemlos, OS X erkennt diese aber nur als „AMD 7xxx“ und nicht als „R9 280X“.

Damit der RAM auch mit seiner richtigen Geschwindigkeit laufen kann, muss man im Menüpunkt „Boot“ noch die „XMPDetection“ aktivieren.

Nachdem wir „XPMDetection=Yes“ aktiviert haben, müssen wir die Einstellungen speichern. Entweder klickt man unten auf das Symbol mit dem Pfeil nach rechts oder geht oben in der Menüleiste auf „File“ > „Save“.

Fehlt nur noch ein Script, welches Audio über das HDMI-Kabel ermöglicht. Dazu muss man die Schritte in folgendem Guide abarbeiten: http://www.tonymacx86.com/threads/new-automatic-hdmi-audio-script-released.184867/

Das wars! Danach kann der PC neu gestartet werden und ist einsatzbereit. Weitere Festplatten können nun auch wieder eingebaut werden und für das OS X entsprechend formatiert werden.

Benchmarks

Geekbench 32bit:
geekbench6dkh4

Cinebench:
cinebench57kq7

Black Magic Speed Test:
blackmagicvnk64

Intel Turbo Boost funktioniert:
intel8dj07

Bekannte Bugs/Probleme

Der Ruhezustand funktioniert nicht bzw. fährt der PC mit einem schwarzen Bildschirm wieder hoch. Das ist ein bekanntes Problem der R9 280x unter El Capitan.

Das Betriebssystem erkennt meinen Monitor über das HDMI Kabel nicht korrekt und setzt ein falsches Farbprofil. DVI funktioniert bestens, Displayport habe ich bisher noch nicht getestet.

iMessage, Continuity & Handoff funktionieren nicht, aber das ist mir nicht sonderlich wichtig.

Wlan funktioniert nur mit entsprechender Wlan-Karte, welche auf meinem Mainboard aber leider keinen Platz mehr hat.

 

Fazit

Der Hackintosh läuft nun seit genau einem Jahr und ich könnte nicht glücklicher damit sein. Bisher hatte ich absolut keine Probleme. Wenn man die Hardware entsprechend auswählt, kann man ein erstaunlich stabiles System zusammenstellen. Ich arbeite täglich auf einem 27″ iMac und kann beim Arbeiten absolut keinen Unterschied zum echten Mac feststellen – abgesehen von der besseren Leistung meines Hackintosh PCs.

Dieser Post ist kein super-ausführlicher Guide und setzt ein gewissen Grundwissen der Hackintosh-Thematik voraus. Falls ihr aber Fragen zu diesem Thema habt, so könnt ihr diese gerne als Kommentar posten oder mir einfach eine Email schicken.

 

Bonus: aktuellere Hardwarekomponenten

Würde ich heute einen neuen Hackintosh zusammenstellen, so würde dieser wie folgt aussehen. Die Komponenten sind allesamt kompatibel.

Mainboard: Gigabyte Z170X-UD3 [AMAZON / EBAY]
Prozessor: Intel Core i7-6700k [AMAZON / EBAY]
Grafikkarte: Gigabyte Nvidia GTX 1060 6GB [AMAZON / EBAY]
RAM: Crucial Ballistix Sport 32GB DDR4 [AMAZON / EBAY]
SSD 1: Samsung EVO 850 500GB [AMAZON / EBAY]
SSD 2: Samsung EVO 850 120GB [AMAZON / EBAY]
SSD 3: Samsung EVO 850 1TB [AMAZON / EBAY]
Prozessorkühler: Corsair Hydro H60 [AMAZON / EBAY]
Netzteil: Thermaltake Berlin 630W [AMAZON / EBAY]
Gehäuse: Corsair 230T [AMAZON / EBAY]
Wlan-Karte: Fenvi Desktop Wireless Karte (Airdrop & Handoff Support ab 10.10 Yosemite) [AMAZON / EBAY]

2 Kommentare

  • Ich hatte gar kein Glück mit dem Hackintosh. Ein Computerfachhändler wollte mir diesen iMac-Klone zusammenbauen und scheiterte kläglich. Selbst nach 11 Wochen konnte er kein macOS Sierra auf die Hardware installieren. Mein Erfahrungsbericht falls es jemanden interessiert. http://wp.me/p4OuKv-sr
    • Hallo Peter, Schade, dass es über deinen Händler nicht geklappt hat. Meiner Meinung nach sollte es keine große Hexerei sein, deine Komponenten zum Laufen zu bringen. Zumindest gibt es auf tonymacx86.com einige erfolgreiche Builds mit deinem Board, der Grafikkarte etc.Der 7700k sollte mittlerweile problemlos unterstützt werden. Das Z170 Mainboard muss vorher nur auf ein aktuelles BIOS upgedated werden, dafür ist aber meistens ein 6th Gen. Prozessor notwendig, da der neue 7th Gen. vom Board nicht erkannt wird ohne das Update.

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